30.10.2014

Warum Gruner + Jahr konsequent handelt

So leid es mir um die festangestellten Kollegen tut. Gruner & Jahr geht mit dem Abbau der schreibenden Redakteure einen logischen Schritt. Seit Jahren sehe ich in diesem Modell die Zukunft in den Verlagen. Vor allem Fachredaktionen können und werden sich zukünftig festangestellte Redakteure weitgehend sparen. Der Kostendruck und das sinkende Anzeigenvolumen werden sie zu diesem Schritt zwingen. An die Stelle der schreibenden Redakteure werden Redaktionsmanager treten, die Hefte und Themen planen, freie Journalisten beauftragen und koordinieren und die Qualität der Texte einschätzen können.

Im Gespräch mit Chefredakteuren und Verlegern höre ich an dieser Stelle immer das Argument der Qualität, die man nur mit festangestellten Journalisten im Hause sicherstellen könnte. Das stimmt nicht. Auch freie Journalisten liefern Qualität und die die im Zweifel sogar höher. Denn im Gegensatz zu einem langjährigen festangstellten Mitarbeiter können die Verleger einen Freien, der die gewünschte Qualität nicht mehr liefert, sehr einfach austauschen. Ein Anruf genügt. Darum werden sich die freien Zulieferer bemühen, überdurchschnittliche Qualität zu liefern.

Klar, als freier Journalist hoffe ich natürlich von dieser Entwicklung zu profitieren. Nicht gerade bei Brigitte und Geo. Diese stehen nicht auf meiner Kundenliste – falsches Fachgebiet. Das Modell wird auch nicht überall funktionieren. Medien, bei denen investigativ recherchiert werden und schnell auf aktuelle Ereignisse reagiert werden muss, kommen an eigenen Leuten nicht vorbei. Kaum ein Freier kann es sich heute leisten, drei Wochen investigativ tätig zu sein, wenn am Ende ein 200-Zeilen-Beitrag für 150 Euro herausspringt.

Allerding bietet die Entwicklung durchaus Anlass zur Sorge. Die Zahl der freien Journalisten wird durch die Entlassungen steigen. Dabei kommen sehr gute Kollegen auf den Markt. Erfahrungsgemäß führt die wachsende Konkurrenz bei Journalisten zu einem unsinnigen Preisdumping.

Auch werden die Verlage die eingesparten Kosten wohl kaum durch steigende Budgets für Freie mindern wollen. Im Gegenteil. Der Honorardruck auf die Freien wird zunehmen. Doch auch die Macht der Freien steigt. Streiks können in Zukunft dazu führen, dass bei den Verlagen, die ihre Redaktionen abgeaut haben, keine Zeitungen erscheinen. Dazu aber müssten sich die Freien einig sein. Das habe ich leider in der Vergangenheit nicht feststellen können. Es gibt immer einen, der aus der eigenen finanziellen Not heraus jeden Job zu jedem Preis annehmen muss.

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